Es ist Sommer in Island!

Wir starten unseren Flug spätabends, fliegen in die Nacht hinein und: es wird immer heller. Verrückte Welt! Willkommen im Norden.Island mit Kind

Als wir gegen Mitternacht in Keflavik landen ist es dann doch nahezu dunkel. Durch karge Landschaft fahren wir los. Es wirkt so, als wären wir die einzigen Menschen. Auf die Ansage der Reiseleiterin, wir bräuchten rund 2 Stunden zur Unterkunft, je nachdem wie gut wir durch kämen schauen wir uns daher etwas irritiert an. Stau ist ja sicherlich nicht zu erwarten.

Die Auflösung folgt recht schnell als dichtester Nebel aufzieht und rein gar nichts mehr zu sehen ist. Wundert sich da noch jemand, dass Island Schauplatz so vieler Krimis ist?
Gruslig ist auch die absolute Stille, die uns umgibt, als wir am Gästehaus Hellisholar ankommen. Es ist nichts zu hören, rein gar nichts. Das Krächzen eines einzelnen Vogels frühmorgens fällt auf, so still ist es.

Fahren auf Island Morgens ist der Nebel verschwunden und Island macht uns zum ersten Mal sprachlos: unter grandios blauem Himmel liegt eine weite, karge Landschaft gesäumt von einer großartigen Gletscherkulisse am Horizont – der Eyjafjallajökull! Der Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen legte bei seinem Ausbruch 2010 für einige Zeit den Flugverkehr in ganz Europa lahm.Jetzt glitzert er schneebedeckt im Sonnenlicht und sieht alles andere als bedrohlich aus.

Wir fahren ins Naturschutzgebiet Þórsmörk, übersetzt „Wald des Thor“. Viel Wald ist allerdings nicht zu sehen, die Vegetation ist karg, die Landschaft unwirklich. Die geteerte Straße haben wir längst hinter uns gelassen, weiter geht es auf einer Schotterpiste und schließlich über Schotter, gänzlich ohne Piste. Die zu überquerenden Furten werden immer größer, bis wir schließlich vor einem -ja, man darf sagen reißenden- Fluss stehen. Vor uns steigen Isländer aus ihrem Pick-Up, laufen abschätzend und prüfend den Fluss entlang, steigen wieder ein und setzen tatsächlich die Überquerung an! Das Auto versinkt bis über die Reifen im Wasser und hat ordentlich zu Kämpfen gegen die starke Strömung. Dann sind wir dran – konzentriert steuert Stena, unser Fahrer den Bus durch die Fluten. Geschafft. Über die Rückfahrt machen wir uns lieber noch keine Gedanken…
Vom Tal aus führt ein Weg hinauf auf den Þórsmörk. Je weiter wir hochsteigen, um so spektakulärer wird der Ausblick. Karge und schroffe Landschaft, nur begrenzt von schneebedeckten Gipfeln. Der Eyjafjallajökull ist bereits zu sehen. Der Anblick, der uns auf dem Gipfel erwartet macht jedoch gänzlich sprachlos: Unter uns öffnet sich das tiefe, von Gletscherflüssen zerfurchte Tal. Der schwarze Geröllboden und die dunklen Felsen stehen im Kontrast zu den sonnenbeschienenen Schneegipfeln dreier Vulkane, darüber strahlend blauer Himmel. Hätte ich diesen Anblick auf einer Postkarte gesehen, ich hätte den Einsatz von Photoshop vermutet. Wahrlich spektakulär.Seljalandsfoss Island

Zurück am Fuße des Berges kündigt Astrid, unsere Reiseleitung freude- strahlend eine Überraschung an. Sie packt Brennivin (auch svarti dauði „Schwarzer Tod“ genannt und Islands beliebtester Schnaps) sowie eine kleine Plastikdose aus. Als sie diese öffnet weht uns ein sehr gewöhnungs- bedürftiger Geruch entgegen. Hákarl, zu Deutsch „Gammelhai“, eine isländische Delikatesse. Der Grönlandhai wird traditionell über mehrere Monate in der Erde vergraben und so fermentiert. Selbst mit zugehaltener Nase ist diese Delikatesse eine wahre Herausforderung. Während wir Nicht-Isländer das kleine Probierstückchen mit zwei Schnäpsen so schnell wie möglich runterspülen, kann Fahrer Stena unser Entsetzen gar nicht verstehen und schiebt sich unter unseren entsetzten Blicken munter ein Stück nach dem anderen in den Mund.

Dann doch lieber wieder zurück zu Islands beeindruckender Naturkulisse! Am Wasserfall Seljalandsfoss wartet ein Bilderbuch-Regenbogen auf uns. Blauer Himmel, tosender Wasserfall, grüne Felsen und kompletter Regenbogen – Postkartenkaufen können wir uns auch hier sparen. Das Besondere am Seljalandsfoss ist, dass man um den Wasserfall herumlaufen kann. Eine etwas nasse Angelegenheit aber sehr beeindruckend und lohnenswert!
Mit einem weiteren Wasserfall geht es am nächsten Tag weiter – der Skogafoss, dessen Wassermassen rund 60 Meter in die Tiefe stürzen. Island Blog
Umlaufen kann man ihn nicht, aber bis hoch zur Felsenkante steigen. Einer alten Sage nach versteckt sich hinter dem Skogafoss übrigens ein Schatz. Als ein isländischer Junge diesen entdeckte und herausziehen wollte, konnte er nur noch den Griff der Truhe greifen, ehe diese verschwand. Dieser Ring ist nun im benachbarten Heimatmuseum Skogar aufbewahrt.

Wer bei „Heimatmuseum“ ein Gähnen unterdrückt, dem sei gesagt: das Museum Skogar ist durchaus sehenswert! Im Freien werden alte Torfhäuser und Wohngebäude sowie eine Kirche gezeigt. In den Museumsgebäuden befindet sich eine Ausstellung über den Fischfang sowie die Geschichte, den Alltag und verschiedene Traditionen Islands. Kurioses Ausstellungsstück: wollene Handschuhe mit je einem Daumen zu jeder Seite. Da Handschuhe von den Fischern sehr beansprucht wurden, konnten sie, wenn sie durchgescheuert waren, einfach umgedreht werden.

Weiter geht es heute auf geteerter Straße – der bekannten Ringstraße, die einmal um Island herumführt, zum südlichsten Punkt der Insel. Vom Kap Dyrhólaey blickt man hinunter auf schwarze Strände, an denen sich wilde Wellen brechen. Das Felsentor und die schroffen, steilen Felswände bieten Brutstätten für Vögel. Mit etwas Glück kann man hier Papageientaucher entdecken. Auch der Blick landeinwärts ist typisch isländisch spektakulär:
Der Mýrdalsjökull, unter dem sich der Vulkan Katla befindet,
leuchtet am Horizont in der Sonne.
Mietwagenreise Island
Wer von oben aus keine Papagaientaucher entdecken kann, der versucht sein Glück direkt am Strand von Dyrhólaey.

Hier sieht man die Vögel oft an den bizarren Basaltsteinen und lavageformten Felswänden brüten. Man erkennt sie auch in der Luft an der etwas hektisch wirkenden Flugweise. Es sieht ein bißchen so aus, als wären sie eigentlich zu schwer zum Fliegen. Direkt am Meer ist hier übrigens Vorsicht geboten! Aufgrund der unberechenbaren Brandung und Strömung sollte man sich hier unbedingt vom Wasser fernhalten.

Zurück auf der Ringstraße fahren wir am Fuße des Vatnajökull entlang, Europas größtem Gletscher. Gletscherzungen ziehen sich hier bis weit ins Tal. Leider versteckt sich der Vatnajökull immer mehr hinter Nebel. Isländisch Moos bedeckt kilometerweit den kargen, steinigen Boden. Als wir bei der Gletscherlagune Jökulsárlón durch die Felsen spähen herrscht große Aufregung. Blaue Eisberge türmen sich im Wasser auf! Die weiß-bläulich schimmernden Eismassen spiegeln sich im klaren Gletscherwasser, Seehunde strecken ihre Nasen aus dem Wasser und Seevögel kreisen in der Luft. Wow!Gletscher Island

Mit einem Amphibienfahrzeug fahren wir zwischen massiven Eisbergen und Eisschollen auf den Gletschersee hinaus. Rund acht Kilometer entfernt brechen die Eisberge vom Vatnajökull ab und machen sich auf den Weg durch die Lagune ins offene Meer. Läuft man den Fluss zum Meer hin entlang, kann man den Weg der Eisschollen verfolgen und zusehen, wie sie ins Meer gespült werden. Der schwarze Strand ist ebenfalls gesäumt von Eisbrocken. Als wäre das noch nicht genug Naturschauspiel zeigt sich vor der Küste doch tatsächlich noch ein Wal! Wir sind begeistert, ist es doch sehr selten, Wale so nahe an der Küste zu sehen.

Abends sitzen wir nach einem langen Tag beim Essen als ein großer, breitschultriger, langhaariger, bärtiger Hüne den Raum betritt. Er zieht alle Blicke auf sich und es fehlt tatsächlich nur noch der Wikingerhelm auf dem Kopf zur perfekten Erscheinung. Als sich herausstellt, dass er bei Game of Thrones mitgewirkt hat wundert uns das ganz und gar nicht.

Am nächsten Tag steht der Golden Circle an, die klassische Tour, die fast jeder Islandbesucher fährt. Der Goldene Ring umfasst das Geysirgebiet, den Wasserfall Gullfoss und die historische Stätte Þingvellir.
Am Gullfoss, einer der mächtigsten Wasserfälle Europas, donnern die Wassermassen über zwei Fallstufen in die Felsschlucht. Auch hier zeigt die isländische Natur unter lautem Getöse eindrucksvoll ihre Kräfte.

Der Þingvellir Nationalpark liegt in einem Grabenbruch tektonischer Platten. Sehr eindrucksvoll lässt sich hier anhand von Felsspalten und Rissen das Auseinanderdriften der amerikanischen und eurasischen Platte erkennen. Ein Spaziergang durch die Allmännerschlucht ist Geologie live! Aber nicht nur geologisch ist Þingvellir bedeutend, sondern auch historisch. Hier wurde eines der ältesten Parlamente der Welt gegründet. Über Jahrhunderte riefen die Isländer am Logberg Gesetze aus, fällten Gerichtsurteile und entschieden über wichtige Belange der Nation. Auch die isländische Unabhängigkeit wurde 1944 hier erklärt und der erste Präsident des Landes gewählt.

Letzter Stopp auf dem Golden Circle ist das Geysirgebiet mit dem Springquell „Geysir“ – Namensgeber aller Geysire weltweit. Während er nur noch wenig Aktivität zeigt, schießt der benachbarte Strokkur etwa alle zehn Minuten eine zwanzig Meter hohe Wasserfontäne in die Luft. Ringsum blubbert und qualmt es, leichter Schwefelgeruch liegt in der Luft.

Nach drei Tagen imposanter Natur fühlt sich unsere Reise bereits viel länger an – was einerseits an der Fülle der Eindrücke, andererseits sicherlich auch an der entschleunigenden Wirkung Islands liegt.
Büro und Alltag sind bei Furtenüberquerungen, Wasserfallwanderungen, Reykjaviks cutest
Bergbesteigungen und Gletscherbootsfahrten weit weg.

In Reykjavík angekommen geht es wieder ein Stückchen zurück in den Alltag. Dennoch ganz gemächlich, denn Reykjavík ist nicht nur die nördlichste, sondern sicherlich auch die entspannteste Hauptstadt Europas. In der Fußgängerzone fehlen die gängigen Ketten, stattdessen hippe Cafés, stylische Bars und Streetart an den Häuserwänden. Am Beginn der Einkaufsstraße ein Punk-Museum, am Ende der Straße ein Penis-Museum. Islands bekanntester Comedian war vier Jahre lang Bürgermeister Reykjavíks, nachdem er mit seiner aus Spaß gegründeten „Beste Partei“ tatsächlich gewählt wurde. Seine Wahlversprechen: Kostenlose Handtücher in allen Schwimmbädern und einen Eisbären für den Zoo. Reykjavík- eine Stadt mit Augenzwinkern.

Herzlichen Dank an die Willy Scharnow-Stiftung sowie Wikinger Reisen für die fantastische Reise!

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Karte Island