Kanada mit Kindern im Wohnmobil: Unsere Route von Edmonton nach Yellowknife

Statt Insta-Hotspots möchten wir Abenteuer und eine unbekannte Region erkunden. Zusammen mit unseren beiden Kindern (8 und 12 Jahre alt) fahren wir von Edmonton bis hoch in den Norden nach Yellowknife und zurück. Ein echter Roadtrip mit spannenden Tierbeobachtungen, Nordlichtern und viel Familienzeit. Unsere Reiseroute, die besten Campingplätze und unsere Tipps für Kanada mit Kindern teilen wir gerne mit euch.

Kanada mit Kindern? Ja. Aber wir wollten noch weiter.

Eines vorneweg: Wir sind eine Roadtrip-Familie. Sowohl wir, als auch unsere Kinder sind gerne unterwegs. Anders ist diese Reise nicht möglich. Rund 4.000 Kilometer fahren wir in rund 2 Wochen. Einfach weil auch das Fahren auf den endlos scheinenden Highways für uns Teil der Reise ist.

Unsere Reise:

Start: Edmonton
Ziel: Edmonton
Reisedauer: 16 Tage
Reisende: 2 Erwachsene + 2 Kinder
Fahrzeug: Wohnmobil C-Large von Fraserway
Route: Edmonton – Yellowknife – Edmonton
Reisezeit: August/September
Highlights: Wildlife, Natur, Nordlichter
Stationen: u.a. Slave Lake, Alexandra Falls, Yelllowknife, Ingraham Trail, Hay River, Wood Buffalo Nationalpark, Elk Island Nationalpark
Übernachtung: Campingplätze in Alberta und den Northwest Territories, Hotel in Edmonton

Alles nur Fakten - was die Reise wirklich einmalig gemacht hat? Kommt mit...

Reiseroute ab/bis Edmonton
Reiseroute ab/bis Edmonton

Von Edmonton aus über den 60.Breitengrad Nord

In Edmonton verbringen wir zwei Tage und sind begeistert vom Viertel Old Strathcona, das so herrlich alternativ, bunt und laut ist. Super leckeres Eis für die Kinder und perfekter Kaffee für uns. Wir besuchen die Art Gallery und das Aviation Museum. Zufällig findet auch das Fringe Festival statt.

Doch dann startet die eigentliche Reise: Wir holen das Wohnmobil ab und starten unseren Roadtrip Richtung Norden. Außerhalb der Stadtgrenzen Edmontons wird es schnell ländlich. Weite Kornfelder und Ölpumpen geben einen Einblick in die Wirtschaft Albertas.

Am Slave Lake freuen wir uns über den Sonnenuntergang am See – und viele Mücken freuen sich über uns. An der Tankstelle werden wir angesprochen, was unser Ziel wäre. „Yellowknife? – Make sure to fuel up!“ Alles klar, wir tanken voll und verlassen den letzten größeren Ort der heutigen Etappe.

Am Fenster ziehen Bäume vorbei, sehr viele Bäume. Immer wieder durchsetzt von Sümpfen mit großen Biberdämmen. Der Gegenverkehr ist überschaubar.

Tageshighlight ist der Stopp an einem gottverlassenen Roadhouse. Diese Mischung aus Tankstelle, Post, Fast Food Theke und Baumarkt ist faszinierend. Neben der Fleischkühlung befinden sich mehrere hundert Postfächer – hier holen wohl die Einwohner ihre Post ab. Bemerkenswerterweise haben wir auf der Fahrt so gut wie keine Häuser gesehen.
Desweiteren im Sortiment: Lebensmittel, Osterglückwunschkarten, Angelausrüstung, Munition und Ladekabel für Handymodelle aus den frühen 2000ern. Spannend.


60.Breitengrad Nord
60.Breitengrad Nord

Willkommen in den Northwest Territories

Am nächsten Tag überqueren wir die Grenze zu den Northwest Territories und damit den 60.nördlichen Breitengrad. Im Visitor Center erhalten wir unser Zertifikat – jetzt sind wir offiziell in den Club der Abenteurer aufgenommen.

Die Alexandra Falls sind heutige Überraschung des Tages. Die Wasserfälle, von denen wir vorher noch nie gehört haben, fallen rauschend 32 Meter in die Tiefe. Das Absurde: Es gibt keine Absperrung, wer mag, kann direkt an der Kante stehen. Die Wassermassen sind aber auch aus sicherer Entfernung beeindruckend.

In Fort Providence startend verspricht die Strecke heute Wildlife-Spotting: Wir fahren durch das Mackenzie Bison Sanctuary, ein Schutzgebiet für wilde Bisonherden. Vier Wohnmobilinsassen kleben am Fenster, um den Pokal für die erste Bisonsichtung zu erhalten. Es gewinnt der Papa. Am Wegrand wälzen sich tonnenschwere Bisons im trockenen Sand. Beeindruckend! Ein Stück weiter dann eine ganze Herde am Straßenrand. Ein herankommender Truck scheucht die Bisons auf, sodass sie in einer großen Staubwolke davonstürmen. Was können diese schweren Tiere doch rennen! Wir sind fasziniert.

Bison Herde Northwest Territories Kanada
Alexandra Falls

Hauptstadt in der Wildnis: Yellowknife

Abends erreichen wir unser nördlichstes Ziel – Yellowknife. Ein komischer Anblick, als auf einmal wieder mehrstöckige Gebäude und Ampeln zu sehen sind. Wir haben Glück und sind zufällig zum Farmers Market in der Stadt. Einmal wöchentlich gibt es dann im Park Marktstände mit internationalem Essen, Selbstgemachtem und Musik.

Drei Nächte verbringen wir in der Hauptstadt der Northwest Territories und auf dem nahegelegenen Ingraham Trail.

Wir fliegen mit dem Wasserflugzeug, lernen im Northern Heritage Center viel über das Leben im Norden, baden im See und wandern zu Wasserfällen. Von einer kanadischen Familie werden wir spontan zu Hotdogs eingeladen.

Abends sitzen wir am Lagerfeuer und warten, dass es dunkel wird. Und an einem Abend haben wir Glück: wie aus dem Nichts tauchen plötzlich die grün schimmernden Nordlichter auf und tanzen am Himmel. So schön!

Was man in Yellowknife mit Kindern unternehmen kann, könnt ihr in unserem Blogpost zu Yellowknife nachlesen.

Nur ungern fahren wir wieder Richtung Süden. Es gefällt uns hier im Norden, mit den interessanten Menschen und ihren Geschichten, den Nordlichtern und der Wildnis.

Nordlichter in Yellowknife
Nordlichter in Yellowknife

Yellowknife - Hay River - Wood Buffalo Nationalpark

Von Yellowknife legen wir eine lange Fahrstrecke nach Hay River zurück. Wir rechnen in Kilometern, die Kinder in Wieviele-Folgen-Drei ???. Es regnet, so verpassen wir nichts und freuen uns auf einen gemütlichen Abend im Wohnmobil. Wie immer zwischen Bäumen und mit quiekenden Streifenhörnchen um uns herum.

In Hay River unterhalten wir uns mit einem First Nation Jugendlichen über die Problematiken und Herausforderungen der First Nation Einwohner. Er gibt uns einen Einblick in die Lebensbedingungen, erklärt generationenübergreifende Traumata und versuchte Lösungsansätze. Das Gespräch ist intensiv und ehrlich und gibt nochmal einen ganz anderen Blickwinkel auf das Land.

Wir wollen nochmal Wildnis und fahren in Nordamerikas größten Nationalpark: Den Wood Buffalo National Park. Zwischendurch halten wir mitten im Nichts an. Es ist kein Geräusch zu hören, keine Autos, keine Menschen, nichts. Diese Stille fällt mir immer wieder auf. Es ist so erholsam! Zumindest bis es unseren beiden Mitreisenden zu langweilig wird und sie es sich zum Spaß machen, durch Grölen meiner „Lieblingslieder“ die Stille zu unterbrechen.

Auf der Strecke nach Fort Smith begegnen uns wieder unzählige Bisons. Große Herden ziehen vorbei, laufen schnaubend und grasend neben dem Wohnmobil. Jede Begegnung ist anders – mal sehen wir eine Mutter mit Kalb, mal kämpfende Tiere. Und können unser Glück kaum fassen, diese beeindruckenden Tiere in freier Wildbahn erleben zu dürfen.

Wood Buffalo Nationalpark
Wood Buffalo Nationalpark

Wood Buffalo Nationalpark

Ein weiteres beeindruckendes Tier lässt sich nicht blicken, aber lässt uns wissen, dass es da war: Morgens liegt etwa 30 Meter vom Wohnmobil entfernt ein Bärenhaufen. Mist, wir haben den Besuch verschlafen.

Wir gönnen uns ein Frühstück im Café, das uns empfohlen wurde. Und sind erstaunt, als wir in dem beschaulichen Ort am gefühlten Ende der Welt ein hippes, linkes, punkiges Café betreten, das genauso gut in Berlin sein könnte. Verrückt.

Nach dem kurzen Anflug von Großstadtgefühl geht es direkt wieder in die Wildnis zu den Mountain Rapids, Stromschnellen des Slave Rivers. Am Wasser entlang kraxeln wir über Felsen von einer Bucht zur anderen. Die Kinder legen sich mit den Stromschnellen an, in dem sie angeschwemmte Baumstämme zurück ins Wasser wuchten – mit tatkräftiger Unterstützung des Papas, der mindestens genauso viel Spaß daran hat. (Übrigens eine Beschäftigung, die Väter-und-Söhne-übergreifend an Flussufern zu beobachten ist, wie ich später feststelle.)

Fort Smith hat uns überrascht – ein Ort am Ende einer 300 Kilometer langen „Zufahrtsstraße“ gelegen, umgeben von Wildnis und trotzdem gibt es dort eine erstaunlich lebhafte Gemeinde. Schade, dass es schon weiter geht für uns. Ich könnte stundenlang im Javapunks Café sitzen und mir Geschichten anhören, was Leute dorthin verschlägt.

Stattdessen fahren wir zurück durch den Wood Buffalo Nationalpark, natürlich wieder mit jeder Menge Bison-Begegnungen. Und nicht nur das: Sogar einen Kanadischen Luchs spotten wir am Wegrand!

Wir halten an einem kleinen Wasserfall, auch hier wieder weit und breit kein Mensch. Die Kinder seilen sich an einem Feuerwehrschlauch ab, der den Weg nach unten einfacher macht. So ist Wandern doch gleich viel aufregender!

Mountain Rapids
Mountain Rapids

Bären? Nur erfunden.

Am Campingplatz warnt ein Schild vor einem aktiven Bären in der Gegend. Eine Hundebesitzerin erzählt, sie wäre beim Spazierengehen einem kleinen Bären begegnet. Beim Tanken mitten im Nichts erzählt uns der einsame Shop-Besitzer, er hätte gestern noch einen gesehen – so langsam glauben wir, der Bär in Kanada ist so etwas wie der Wolpertinger in Bayern. Oder vielleicht ein gutes Mittel, um Touristen zum Müllaufräumen zu bewegen.

Weiter geht es Richtung Süden – langsam weicht der Wald gigantischen Feldern. Abends stehen wir ganz alleine auf dem großen Campingplatz. Nur ein alleine zeltender Koreaner kommt vorbei und wundert sich ebenfalls, warum niemand sonst da ist. Nachts heulen die Koyoten. Und ich bin froh, statt im Zelt im Wohnmobil zu liegen.

Am nächsten Tag zieht die Landschaft am Wohnmobilfenster vorbei, als ich auf einmal etwas Dunkles durchs hohe Gras flitzen sehe. Ein Bär! Ich kann es kaum glauben. Es gibt sie doch und wir haben das Glück, einen Schwarzbären durchs Gras hüpfen zu sehen. Große Aufregung im Wohnmobil! Der Bärenspotter-Pokal geht damit an mich.

Mittlerweile sind wir endgültig in den großen Feldern Albertas angekommen und beobachten bei einer Pause einen Agrarflieger, der so tief und rasant fliegt, dass wir ihn schon fast im Wohnmobil begrüßen können. Kein Wunder, dass bei den Ausmaßen der Felder ein Flieger praktischer ist als ein Traktor. Die Nacht verbringen wir im kleinen Städtchen Whitecourt.

Bärenspuren
Bärenspuren

Elk Island National Park

So ganz wollen wir noch nicht wieder zurück ins Urbane und verbringen daher noch einen Tag im Elk Island Nationalpark, einem kleinen Park östlich von Edmonton.

Elche sehen wir nicht, aber Bisons. Und nicht nur das: Auch das Nationaltier Kanadas können wir aus nächster Nähe beobachten: Zwei Biber arbeiten fleißig an ihrem Damm. Wir beobachten, wie einer von beiden einen Ast von der Böschung ins Wasser zieht, während der andere im Wasser am Bau arbeitet. Zwischendurch kommunizieren sie mit leisen, quiekenden Lauten. Auch das haben wir noch nie vorher erlebt (obwohl ich aus einem Dorf stamme, das im Namen „Biber“ trägt…).

Eine Regennacht macht die letzte Übernachtung im Wohnmobil gemütlich, auch wenn wir etwas traurig sind, unser „Zuhause“ wieder abgeben zu müssen. Zu schön war die Zeit unterwegs, zu gut haben wir im Wohnmobil geschlafen, zu sehr haben wir es genossen, jeden Tag Neues zu entdecken.

Zurück in Edmonton steigen wir vor dem Hotel aus. Gerade fährt der Edmonton-Explorer-Bus vorbei, mit dem wir am ersten Tag unserer Reise unterwegs waren. Die Tür geht auf und Fahrer Ryan ruft heraus: „Hello Germany, welcome back“.

Wohnmobil Fraserway
Wohnmobil Fraserway

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